Chenoweth-Studie

  • Die 2011 veröffentlichte Studie "Warum ziviler Widerstand funktioniert" der US-Amerikanerinnen Erica Chenoweth und Maria J. Stephan zeigt, dass gewaltfreie Aufstände in betrachteten 323 Konflikten im Zeitraum 1900 bis 2006 weltweit fast doppelt so wirksam waren wie gewaltsame Methoden.

  • Die Wahrscheinlichkeit einer Demokratie fünf Jahre nach einem Konflikt ist demnach bei gewaltfreiem Vorgehen zehnmal höher als bei der Wahl gewaltvoller Mittel.
  • Die Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs zehn Jahre nach dem Konflikt ist bei der Wahl gewaltvoller Mittel fast doppelt so hoch wie bei der Wahl gewaltfreier Mittel zur Erreichung politischer Ziele.
  • Gewaltfreie Kampagnen bedingen wesentlich weniger Tote, Verletzte und materielle Zerstörungen

  • Untersucht wurden verschiedene Methoden zur Erreichung folgender politischer Ziele:
    1. Aufstand gegen ein Regime (Ziel Regimewechsel)
    2. Besatzungs- oder Unabhängigkeitskampf (Ziel Vertreibung der Besatzer bzw. Unabhängigkeit)
    3. Sezessionskämpfe (Ziel Abspaltung eines Teilgebiets von einem Land)
Gründe und Bedingungen für den Erfolg ziviler im Vergleich zu gewaltsamen Kampagnen sind demnach:
1. Die Fähigkeit, die Massen zu mobilisieren
2. Eine geringere Isolierbarkeit der beteiligten Personen
3. Kreative und häufige Methodenwechsel

Christine Schweitzer zeigt im BSV-Hintergrundpapier Nr. 41 auf, dass die Chenoweth-Studie auch 76 Fälle von Anti-Besatzungskämpfen umfasst. Demzufolge sind gewaltlose und gewaltsame Anti-Besatzungskämpfe jeweils zu 35 % erfolgreich, also gleich wirksam, gewaltlose Anti-Besatzungskämpfe sind jedoch viermal teil-erfolgreicher und scheitern nur halb so häufig wie gewaltsame Anti-Besatzungskämpfe. In der Ukraine hatten sich bei einer Umfrage im Jahr 2015 ein Drittel der Befragten für gewaltlosen Widerstand im Fall einer militärischen russischen Vollinvasion ausgesprochen - genau so viele, wie für eine militärische Verteidigung ihres Landes in solch einem Fall.


Erfolgsquoten ziviler und gewaltsamer Methoden zur Erreichung politischer Ziele
in 323 international untersuchten Konflikten im Zeitraum 1900 bis 2006.
 
 
 
 
 
 
 
Zur Website von Erica Chenoweth mit umfangreichen Datengrundlagen der Studie.
 
 
 
 
Zusammenfassung Chenoweth-Studie 2011
Ziviler Widerstand ist in 323 internationalen Konflikten doppelt so erfolgreich zur Erreichung politischer Ziele wie bewaffneter Widerstand. Die Wahrscheinlichkeit einer Demokratie fünf Jahre nach dem Konflikt ist zehnmal höher bei gewaltfreiem Vorgehen. (Untersuchungszeitraum: 1900 - 2005)
 
 
 
 
Warum ziviler Widerstand funktioniert
Die strategische Logik gewaltloser Konfliktbearbeitung
Nomos, 1. Auflage 2024, 372 Seiten, 49 Euro
Deutsche Übersetzung der Chenoweth-Studie von 2011
 
 
 
 
Zusammenfassender Artikel "Neue Erkenntnisse Chenoweth 2019"

2019 hat Erica Chenoweth weiterführende Erkenntnisse zu den Wirksamkeitsvoraussetzungen zivilen Widerstands unter dem Titel "Das Paradox des gewaltfreien Widerstands im 21. Jahrhundert" veröffentlicht, die u.a. die Erfahrungen der zivilen Widerstände des sog. Arabischen Frühlings wissenschaftlich aufarbeiten.
 
 
Zusammenfassung der Chenoweth-Studie 2011
sowie der Ergänzungen von 2019
 
 
 
Wahrscheinlichkeit einer Demokratie fünf Jahre nach dem Konflikt im Vergleich ziviler und gewaltsamer Methoden zur Erreichung politischer Ziele.
 
 
 
Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs zehn Jahre nach dem Konflikt im Vergleich ziviler und gewaltsamer Methoden zur Erreichung politischer Ziele.